Gerichtsurteile zum Thema Software

Hier finden Sie eine Auflistung aktueller Gerichtsurteile zum Thema Software und gebrauchte Software. Wir haben die Auflistung unterteilt nach den Urteilen des Europäischen Gerichtshofs, des Bundesgerichtshofes, nach Oberlandesgerichtsurteilen und nach Landgerichtsurteilen.

Nach dem Urteil des EuGH (vgl. EuGH Urteil C-128/11 vom 3. Juli 2012) sind nicht mehr alle Entscheidungen rechtswirksam.

Die nachfolgenden Entscheidungssammlungen umfassen richtungsweisende Urteile und Verfügungen der Instanzgerichte und des Bundesgerichtshofs zu gebrauchter Software.

Urteile des EuGH


EuGH: Gebrauchte Software generell erlaubt

Aachen, 05.07.2012 - Am 03.07.2012 hat der EuGH in Luxemburg ein wegweisendes Urteil zum Handel mit gebrauchter Software gefällt. Im Folgenden die offizielle Pressemitteilung des EuGH.



Gerichtshof der Europäischen Union
PRESSEMITTEILUNG Nr. 94/12
Luxemburg, den 3. Juli 2012
Urteil in der Rechtssache C-128/11
UsedSoft GmbH / Oracle International Corp.




Oracle entwickelt und vertreibt, insbesondere per Download über das Internet, sogenannte "Client-Server-Software". Der Kunde lädt unmittelbar von der Internetseite von Oracle eine Programmkopie auf seinen Computer. Das durch einen Lizenzvertrag gewährte Nutzungsrecht an einem solchen Programm umfasst die Befugnis, die Kopie dieses Programms dauerhaft auf einem Server zu speichern und bis zu 25 Nutzern dadurch Zugriff zu gewähren, dass die Kopie in den Arbeitsspeicher ihrer Arbeitsplatzrechner geladen wird. In den Lizenzverträgen ist vorgesehen, dass der Kunde ausschließlich für seine internen Geschäftszwecke ein unbefristetes und nicht abtretbares Nutzungsrecht erwirbt. Im Rahmen eines Software- Pflegevertrags können auch aktualisierte Versionen der Software ("updates") und Programme zur Fehlerbehebung ("patches") von der Internetseite von Oracle heruntergeladen werden.

UsedSoft ist ein deutsches Unternehmen, das mit Lizenzen handelt, die es Oracle-Kunden abgekauft hat. Die UsedSoft- Kunden, die noch nicht im Besitz der Software sind, laden nach dem Erwerb einer "gebrauchten" Lizenz unmittelbar von der Internetseite von Oracle eine Programmkopie herunter. Kunden, die bereits über das Programm verfügen, können eine Lizenz oder einen Teil der Lizenz für zusätzliche Nutzer hinzuerwerben. In diesem Fall laden die Kunden die Software in die Arbeitsplatzrechner dieser weiteren Nutzer. Oracle hat UsedSoft vor den deutschen Gerichten verklagt, um Letzterer diese Praxis untersagen zu lassen. Der Bundesgerichtshof, der letztinstanzlich über diesen Rechtsstreit zu entscheiden hatte, hat den Gerichtshof ersucht, die Richtlinie über den Rechtsschutz von Computerprogrammen1 in diesem Kontext auszulegen.

Nach dieser Richtlinie erschöpft sich das Recht zur Verbreitung einer Programmkopie in der Union mit dem Erstverkauf dieser Kopie durch den Urheberrechtsinhaber oder mit seiner Zustimmung. So verliert der Rechtsinhaber, der eine Kopie in einem Mitgliedstaat der Union vermarktet hat, die Möglichkeit, sich auf sein Verwertungsmonopol zu berufen, um sich dem Weiterverkauf der Kopie zu widersetzen. Im vorliegenden Fall macht Oracle geltend, der in der Richtlinie vorgesehene Erschöpfungsgrundsatz sei nicht auf Nutzungslizenzen für aus dem Internet heruntergeladene Computerprogramme anwendbar.

Der Gerichtshof führt in seinem Urteil aus, dass der Grundsatz der Erschöpfung des Verbreitungsrechts nicht nur dann gilt, wenn der Urheberrechtsinhaber die Kopien seiner Software auf einem Datenträger (CD-ROM oder DVD) vermarktet, sondern auch dann, wenn er sie durch Herunterladen von seiner Internetseite verbreitet.

Stellt der Urheberrechtsinhaber seinem Kunden nämlich eine - körperliche oder nichtkörperliche - Kopie zur Verfügung, und schließt er gleichzeitig gegen Zahlung eines Entgelts einen Lizenzvertrag, durch den der Kunde das unbefristete Nutzungsrecht an dieser Kopie erhält, so verkauft er diese Kopie an den Kunden und erschöpft damit sein ausschließliches Verbreitungsrecht. Durch ein solches Geschäft wird nämlich das Eigentum an dieser Kopie übertragen. Somit kann sich der Rechtsinhaber, selbst wenn der Lizenzvertrag eine spätere Veräußerung untersagt, dem Weiterverkauf dieser Kopie nicht mehr widersetzen.

Der Gerichtshof stellt insbesondere fest, dass der Urheberrechtsinhaber, wenn die Anwendung des Grundsatzes der Erschöpfung des Verbreitungsrechts allein auf Programmkopien, die auf einem Datenträger verkauft worden sind, beschränkt würde, den Weiterverkauf von Kopien, die aus dem Internet heruntergeladen worden sind, kontrollieren und bei jedem Weiterverkauf erneut ein Entgelt verlangen könnte, obwohl er schon beim Erstverkauf der betreffenden Kopie eine angemessene Vergütung erzielen konnte. Eine solche Beschränkung des Weiterverkaufs von aus dem Internet heruntergeladenen Programmkopien ginge über das zur Wahrung des spezifischen Gegenstands des fraglichen geistigen Eigentums Erforderliche hinaus.

Außerdem erstreckt sich die Erschöpfung des Verbreitungsrechts auf die Programmkopie in der vom Urheberrechtsinhaber verbesserten und aktualisierten Fassung. Selbst wenn der Wartungsvertrag befristet ist, sind die aufgrund eines solchen Vertrags verbesserten, veränderten oder ergänzten Funktionen nämlich Bestandteil der ursprünglich heruntergeladenen Kopie und können vom Kunden ohne zeitliche Begrenzung genutzt werden.

Der Gerichtshof weist jedoch darauf hin, dass die Erschöpfung des Verbreitungsrechts den Ersterwerber nicht dazu berechtigt, die Lizenz aufzuspalten und teilweise weiterzuverkaufen, falls die von ihm erworbene Lizenz für eine seinen Bedarf übersteigende Zahl von Nutzern gilt.

Weiter führt der Gerichtshof aus, dass der ursprüngliche Erwerber einer körperlichen oder nichtkörperlichen Programmkopie, an der das Verbreitungsrecht des Erwerbers erschöpft ist, die auf seinen Computer heruntergeladene Kopie zum Zeitpunkt des Weiterverkaufs unbrauchbar machen muss. Würde er sie weiterhin nutzen, verstieße dies nämlich gegen das ausschließliche Recht des Urheberrechtsinhabers auf Vervielfältigung seines Computerprogramms. Anders als das ausschließliche Verbreitungsrecht erschöpft sich das ausschließliche Vervielfältigungsrecht nicht mit dem Erstverkauf. Die Richtlinie erlaubt jedoch jede Vervielfältigung, die für eine bestimmungsgemäße Benutzung des Computerprogramms durch den rechtmäßigen Erwerber notwendig ist. Solche Vervielfältigungen dürfen nicht vertraglich untersagt werden.

In diesem Zusammenhang stellt der Gerichtshof klar, dass jeder spätere Erwerber einer Kopie, für die das Verbreitungsrecht des Urheberrechtsinhabers erloschen ist, rechtmäßiger Erwerber in diesem Sinne ist. Er kann also die ihm vom Ersterwerber verkaufte Kopie auf seinen Computer herunterladen. Dieses Herunterladen ist als Vervielfältigung eines Computerprogramms anzusehen, die für die bestimmungsgemäße Nutzung dieses Programms durch den neuen Erwerber erforderlich ist.

Folglich kann der neue Erwerber der Nutzungslizenz, wie z. B. ein UsedSoft-Kunde, als rechtmäßiger Erwerber der betreffenden verbesserten und aktualisierten Programmkopie diese von der Internetseite des Urheberrechtsinhabers herunterladen.


1 Richtlinie 2009/24/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. April 2009 über den Rechtsschutz von Computerprogrammen (ABl. L 111, S. 16).

Urteile der deutschen Gerichte

Nachfolgend sind einige Urteile von deutschen Gerichten, speziell dem OLG, LG und dem BGH aufgeführt. Nach dem Urteil des EuGH (vgl. EuGH Urteil C-128/11 vom 3. Juli 2012) sind nicht mehr alle Entscheidungen rechtswirksam.

Urteile des Bundesgerichtshofes



Oberlandgerichtsurteile

  • Hanseatische OLG:, Beschluss vom 03.07.2014, Az.: 3 U 188/13 Urteil gegen SAP rechtsgültig

    Lesen Sie hierzu:
    1. Der Beschluss Az.: 3 U 188/13 des hanseatischen Oberlandesgerichts
  • OLG Frankfurt am Main, Urteil vom 18.12.2012, Az.: 11 U 68/11 Weiterverkauf von Volumenlizenzen

    Lesen Sie hierzu:
    1. Das Urteil Az: 11 U 68/11 des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main
    2. Das Teil-Urteil vom 18. Dezember 2012
  • OLG Stuttgart, Urteil vom 03.11.2011, Az.: 2 U 49/11 Hörbücher; ablehnend
  • OLG Karlsruhe, Urteil vom 27.07.2011, Az.: 6 U 18/10 Aufspaltung von Volumenlizenzen; ablehnend
  • OLG Zweibrücken, Urteil vom 24.02.2011, Az.: 4 U 74/10 Handel mit Seriennummern; ablehnend
  • OLG Düsseldorf, Urteil vom 29.06.2009, AZ.: I-20 U 247/08 Auch rechtmäßig hergestellte Vervielfältigungsstücke darf der Erwerber ohne Zustimmung des Urhebers demnach nicht vertreiben

    Lesen Sie hierzu:
    1. Das Urteil AZ.: I-20 U 247/08 des Oberlandesgerichts Düsseldorf
  • OLG München, Urteil vom 03.07.2008, Az.: 6 U 2759/07 (Oracle ./. UsedSoft) (ablehnend)

    Lesen Sie hierzu:
    1. Das Urteil Az: 6 U 2759/07 des Oberlandesgerichts München
  • OLG Hamburg, Urteil vom 07.02.2007, AZ.: 5 U 140/06 Handel mit gebrauchten Microsoft-Lizenzen erlaubt

    Lesen Sie hierzu:
    1. OLG Hamburg: Handel mit gebrauchten Microsoft-Lizenzen erlaubt
    2. OLG Hamburg: Handel mit gebrauchten Microsoft-Lizenzen erlaubt (UPDATE)
    3. Das Urteil AZ.: 5 U 140/06 des Oberlandesgerichts Hamburg
  • OLG München, Urteil vom 03.08.2006 Keine Erschöpfung bei Onlineverbreitung von Software
    Lesen Sie hierzu:
    1. Das Urteil Az: 6 U 1818/06 des Oberlandesgerichts München
  • OLG München, Urteil vom 12.02.1998 Mit dem Erstverkauf einer Programmkopie einer Standardsoftware erschöpft sich das Verbreitungsrecht des Urhebers.

    Lesen Sie hierzu:
    1. Das Urteil 29 U 5911/97


Landgerichtsurteile

  • LG Hamburg, Urteil vom 25.10.2013, Az.: 315 O 449/12 Landgericht Hamburg urteilt über SAP AGB

    Lesen Sie hierzu:
    1. Das Urteil Az: 315 O 449/12 des Landgerichts Hamburg
  • LG Frankfurt am Main, Urteil vom 27.04.2011, Az.: 2-06 O 428/10 Volumenlizenzen; ablehnend
  • LG Stuttgart, Urteil vom 14.04.2011, Az.: 17 O 513/10 Hörbücher; ablehnend
  • LG Frankfurt am Main, Urteil vom 06.01.2010, Az.: 2-06 O 556/09 Sicherungskopien; ablehnend
  • LG Mannheim, Urteil vom 22.12.2009, Az.: 2 O 37/09 Aufspaltung von Volumenlizenzen; ablehnend
  • LG München I, Urteil vom 28.11.2007, Az.: 30 O 8684/07 Neben dem Landgericht Hamburg (Az. 315 O 343/06) hält es nunmehr auch die 30. Zivilkammer des Landgerichts München grundsätzlich für zulässig, wenn einzelne Microsoft-Lizenzen, die zuvor im Rahmen von Volumenlizenzverträgen abgegeben worden waren, auch ohne Zustimmung von Microsoft weiterveräußert werden

    Lesen Sie hierzu:
    1. Das Urteil Az.: 30 O 8684/07 des Landgerichts München
  • LG München I, Urteil vom 15.03.2007, Az.: 7 O 7061/06 (Oracle ./. UsedSoft) (ablehnend)
  • LG Hamburg, Urteil vom 29.06.2006, Az.: 315 O 343/06 Volumenlizenzen; zustimmend
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