Was ist mit der Abschreibung von Software?

Da die Steuergesetzgebung ständig verändert wird, kann der folgende Text nur eine erste Hilfestellung bei der Beantwortung der Frage nach der "steuerlichen Behandlung von Software" sein.

Software ist grundsätzlich ein immaterielles Wirtschaftsgut, weil der geistige Gehalt im Vordergrund steht. Je preiswerter jedoch die Software ist, desto mehr gewinnt der Preis für das Trägermedium an Bedeutung.

Für komplette Lösungen wie Enterprise-Resource-Planning (ERP)-Systeme, die als Anlagevermögen aktiviert werden, gilt ein Abschreibungszeitraum von fünf Jahren (OFD Chemnitz vom 28.07.2005, DStR 2005, S. 1409). Ein kürzerer Abschreibungszeitraum von drei Jahren ist für weniger komplexe Lösungen wie beispielsweise Office-Pakete möglich. Updates, Upgrades und Wartungskosten gelten als Erhaltungsaufwand und dürfen unabhängig vom Preis sofort in voller Höhe abgeschrieben werden.

Für die Praxis ist die Grenze zwischen immateriellen und materiellen Wirtschaftsgütern (sog. Trivialprogramme) auf 410 Euro netto festgelegt worden. Nach R 31a Abs. 1 EStR sind Computerprogramme, deren Anschaffungskosten nicht mehr als 410 Euro netto betragen, stets als Trivialprogramme zu behandeln und gehören zu den materiellen beweglichen Wirtschaftsgütern. Daher war die bisherige GWG-Regelung auf diese Programme anwendbar.

Allerdings können bewegliche Wirtschaftsgüter (gemäß R 42 Abs. 2 Satz 1 EStR) nur Sachen (§90 BGB), Tiere (§90a BGB) und Scheinbestandteile (§95 BGB) sein. Sachen wiederum sind (gemäß § 90 BGB) nur körperliche Gegenstände.

Der handelsbilanzielle Ausweis der Trivialsoftware erfolgte je nach Einsatzzweck entweder im Bereich der technischen Anlagen (§266 Abs. 2 Ziff. A, II Nr. 2 HGB) oder im Bereich der Betriebs- und Geschäftsausstattung /§ 266 Abs. 2 Ziff. A, II Nr. 3 HGB) entsprechend der Kontengliederung des IKR (079 geringwertige Anlagen und Maschinen und 089 geringwertige Vermögensgegenstände der Betriebs- und Geschäftsausstattung).

Wie hat der Ausweis künftig zu erfolgen?
Gibt es noch Trivialsoftware?
Bleiben die Wertgrenzen des R 31a Abs. 1 EStR bestehen oder werden sie angepasst?

Falls die Grenzen bestehen bleiben, so wäre Software bis 410 Euro netto als materielles Wirtschaftsgut und Software über 410 Euro netto als immaterielles Wirtschaftsgut in der Handelsbilanz auszuweisen. Die Software wäre demnach ab dem 01.01.2008 in drei Gruppen einzuteilen:
  1. Software, deren Anschaffungs-/Herstellungskosten (AHK) bis zu 150 € netto betragen, darf, da es sich um ein abnutzbares bewegliches Anlagegut handelt (§ 6 Abs. 2 EStG ist anwendbar), ab dem 01.01.2008 sofort als Aufwand gebucht werden.
  2. Software, deren AHK über 150 Euro netto bis 410 Euro netto betragen, wäre, da sie ein abnutzbares bewegliches Anlagegut darstellt (§ 6 Abs. 2EstG ist anwendbar, im GWG.-Sammelposten zu erfassen bzw. auszuweisen.
  3. Software, deren AHK über 410 Euro netto betragen, müsste im Bereich der immateriellen Wirtschaftsgüter einzeln aktiviert und über die Nutzungsdauer abgeschrieben werden, da diese Software zwar abnutzbar ist, aber als nicht beweglich und nicht materiell eingestuft werden muss, do dass die Regelung des § 6 Abs. 2 EStG nicht zur Anwendung kommt.

Die Komplexität des Bilanzausweises würde im Falle einer solchen Untergliederung zunehmen, und auch der Aufwand für die Erfassung und Bewertung der Software würde steigen. Mit dem Ziel einer einfachen gesetzlichen Regelung wäre dies nicht zu vereinbaren.
(Quelle: Bilanzbuchhalter und Controller, Januar 2008)

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