SAP-Lizenzen dürfen verkauft werden

26.04.2005

Nach einigen Turbulenzen wegen vermeintlicher Urheberrechtsverletzungen darf die Firma susensoftware jetzt gebrauchte R/3- und mySAP-Lizenzen verkaufen. Allerdings dürfen nur ganze Pakete verkauft werden, keine Einzellizenzen. SAP unterbreitet den Kunden von susensoftware ein Wartungsangebot.

Es gibt nur ganz SAP oder gar nicht. So könnte man die Modalitäten zur Lizenzübertragung zusammenfassen, die Softwarehändler Axel Susen nach langem Hin und Her erreicht hat. Software-Lizenzen dürfen nur in ganzen Paketen verkauft werden, und es dürfen auch keine einzelnen Lizenzen aus dem Paket herausgenommen werden. Nur dann wird SAP den Kunden die Wartung für die gekauften Lizenzen anbieten.

Einen Wermutstropfen hat das Arrangement: SAP besteht auf der kompletten (Nach-)Zahlung ausstehender Wartung, auch wenn die Lizenzen in dem Zeitraum gar nicht benutzt wurden. Andere Hersteller wie Oracle sind hier etwas kundenfreundlicher und begnügen sich mit den halben Wartungskosten für stillgelegte Lizenzen.

Der ″Erfinder″ von stiller Software ist der Aachener Axel Susen, Gründer von susensoftware. Stille Software heißen Softwareprodukte, die typischerweise nicht mehr eingesetzt werden, nachdem sie bilanztechnisch abgeschrieben sind. Stille Software wird meist nicht im Stahlschrank gelagert, sondern bleibt als Kostenverursacher auf den Rechnern im Unternehmen installiert — obwohl die Benutzung den Wert der Lizenz nicht gemindert hat. Rund dreißig Prozent der deutschen Unternehmen sind überlizenziert und nur ca. 50 Prozent überprüfen regelmäßig ihre Bestände. Diese Werte gilt es zu erkennen und zum Vorteil des Unternehmens zu nutzen.

Während Susen den Unternehmen hilft, durch den Verkauf von brachliegenden Ressourcen ihre Liquidität zu erhöhen bzw. durch den Kauf von „stiller Software“ im Einkauf zu sparen, gehen andere Unternehmen neue Wege. So machte der Reifenhersteller Bridgestone vor wenigen Wochen Schlagzeilen, weil er den Support und die Wartung für SAP-Software nach Indien vergibt. Da die Verwaltung der SAP-Anwendungen für 2000 Nutzer bereits jetzt zentral in der Brüsseler Zentrale erfolgt, sieht Bridgestone kein Problem in der Auslagerung nach Indien. Über das zu erwartende Einsparpotential ist noch nichts bekannt.

„Die Bridgestone-Meldung zeigt deutlich, dass auch andere Unternehmen sich Gedanken machen, wie man die Wartungskosten für die Software reduzieren kann“, gibt Axel Susen zu bedenken und freut sich, dass er durch das Übereinkommen mit SAP ein ganzes Stück weitergekommen sei. Der Verkauf von Einzellizenzen aus einem größeren SAP-Lizenzbestand und der Verzicht auf ausstehende Wartungsgebühren für nicht erbrachte Wartungsleistung könnten die Themen weiterer Verhandlungen mit dem Software-Riesen sein.

Aktuell bietet susensoftware R/3- und mySAP.com-Lizenzen an. Die Pakete haben einen Lizenzwert von 40.000 Euro bis zu 3 Mill. Euro. Ein Beispiel verdeutlicht das Einsparpotential bei R/3-Lizenzen: 129 Operational User, 167 basis User, 30 info user, 4 DW user und 100 IS-Retail user mit einem Wert von ca. 433.000 Euro werden zum Preis von 180.000 Euro angeboten. Darüber hinaus bietet susensoftware Lizenzen von Microsoft und Citrix an und auf Nachfrage auch Wertkontrakte.



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